Mutter-Kind-Kur und was ist mit Papa?
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„Eine Mutter-Kind-Kur muss ein Mann erfunden haben“…

… hat ein Freund neulich zu mir gesagt. Das kann wohl sein, aber ob er auch gleichzeitig ein Papa war, wage ich zu bezweifeln. Nach anfänglichem zögern hat meine Herzdame, im Sommer, eine Mutter-Kind-Kur beantragt und ehe man sich versah war der Tag der Abreise da. Schon in den Tagen zuvor lag eine komische Stimmung im Haus. Denn wenn man erst mal die Hälfte seines Lebens mit seiner Frau geteilt hat und die letzten vier Jahre ein neues Familienmitglied für zusätzlich Stimmung sorgte, dann ist es irgendwie komisch, wenn man sich ein paar Wochen am Stück nicht sieht.

An Rückzug war nicht zu denken, also war der Abreisetag gekommen. Ich hatte mir extra morgens frei genommen, um beim Einräumen zu helfen und die Beiden zu verabschieden. Zum Glück hat meine Frau sich für die Anfahrt per Auto entschieden, denn bei den ganzen Klamotten hätten die Beiden ein eigenes Zugabteil mieten müssen. Aber: Es ist halt kein Sommer mehr und warme Sachen nehmen halt viel Platz weg.

Als meine zwei Besten dann unsere Hauseinfahrt zurück fuhren und ein Winken das Letzte war, was ich von ihnen in den nächsten Wochen sehen sollte, war die komische Stimmung noch komischer. In den Fahrpausen hat mich meine Frau dann natürlich mit Handynachrichten versorgt, denn irgendwie ist „Mann“ dann ja doch in Sorge. Die Fahrt verlief allerdings reibungslos und auch die Klinik hielt was sie versprach. MEERBLICK!!!

RUHE JETZT! So war das aber nicht gemeint

Als ich von der Arbeit dann wieder zu Hause war, herrschte in unserem Haus eine ungewohnte Stille. Natürlich sind die Beiden nicht immer da, wenn ich von der Arbeit komme, aber der Gedanke, dass sie die nächsten Wochen weg sind, ließ die Stille noch stiller erscheinen. Also hab ich erst mal das Radio angemacht. So redet oder singt wenigstens irgendjemand.

Das die beiden Experten nicht da sind, habe ich natürlich sinnvoll genutzt und unsere Küche renoviert. Zeit war ja jetzt in Hülle und Fülle vorhanden. Kein Animationsprogramm, kein Essen kochen, oder was sonst noch so anfällt. Niemand musste staubsaugen, denn das Kücheninventar wurde auf den Rest der Wohnung vertteil. Wo Tupperprodukte stehen, war kein Platz mehr für Dreck, geschweige denn für einen Staubsauger. Einkaufen musste ich auch nicht. Ich hatte mir überlegt, dass ich die Reste esse, bis nur noch Licht und Senf in unserem Kühlschrank ist. Mittagessen gabs bei Oma. Perfekt, Essen wie früher !!!

Alles war geregelt, was sollte mich da noch aus der Bahn werfen? Direkt am ersten Abend habe ich es gemerkt. Nach einem abendlichen Telefonat mit Frau und Kind schien alles in bester Ordnung zu sein. Eineinhalb Stunden nachdem ich den beiden eine gute Nacht gewünscht hatte, klingelte mein Handy erneut. Es war meine Frau, die Kurze weinte Rotz und Wasser im Hintergrund und wollte unbedingt noch mit mir sprechen. Mit einer kaum verständlichen, weinerlichen Stimme sagte sie: „ICH WILL WIEDER NACH HAUSE!!!“
Da blieb mir doch erst mal die Spucke weg. Das war wirklich ein Kack-Gefühl. Denn wenn die Kleine normalerweise so bitterlich weint, kann ich sie in den Arm nehmen und trösten. In diesem Fall aber, konnte ich nur mein Handy knuddeln. Mutti hat sie dann natürlich in den Arm genommen und ich habe versucht ihr mit tröstenden Worten beizubringen, dass 3 Wochen ja ganz schnell vorbei sind! Sie hat sich dann schnell wieder beruhigt, war ja auch ein anstrengender erster Tag. Das weinen hat mich allerdings noch beschäftigt, als ich eigentlich schon schlafen sollte.

Eine Heimwehattacke von Mutti wurde auch noch überwunden und so sollten die restlichen Kurwochen zur vollsten Zufriedenheit vorüber gehen.

Ja, wenn man etwas nicht mehr hat, weiß man erst wie sehr es doch fehlt.
In diesem Sinne
Der Strohwitwer

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